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Im Rahmen eines Projektes des Englisch-E-Kurses in der 9 entstand die Idee, dem Bürgermeister Jansen, der sich sofort bereit erklärt hat, Fragen über unsere Schule zu stellen und sie in Englisch zu veröffentlichen. Im Vorhinein findet hier aber bereits eine Veröffentlichung in Deutsch statt.

Interview mit Bürgermeister Jansen

Was halten Sie als Bürgermeister von der Schulform Hauptschule?

Die Hauptschule hat eine lange Tradition. Bevor ich Bürgermeister wurde, war ich selbstständiger Handwerksmeister und habe sehr viel ausgebildet und da auch viele Schüler der Hauptschule gehabt. Ich halte es für wichtig, dass die Hauptschule eine gewisses Markenzeichen bekommt: Also Schule der Praktiker. Das ist wichtig und damit habe ich gute Erfahrungen gemacht.

Was denken Sie darüber, dass Hauptschule bei einigen keinen so guten Ruf hat?

Ja, es ist leider so, denn im letzten Jahrzehnt hat der Ruf der Hauptschule sehr gelitten. Das ist sehr schade, und man hört ja auch hier und da mal etwas von einer Resteschule. Das finde ich sehr gefährlich, denn wenn es gelingt, dass die Hauptschule an Profil gewinnt und den Schülern nach dem 10. Schuljahr eine Lehrstelle vermittelt, dann kann es auch gelingen, einer Hauptschule ein Gesicht zu geben, ein Prädikat zu geben. So würde man auch erreichen, dass der Ruf der Hauptschule wieder viel, viel besser wird. Ich finde sehr, sehr schade, dass die Hauptschule in den Verruf gekommen ist, das ist so in den Köpfen der Menschen drin und ich weiß auch nicht, warum, denn ich habe eigentlich gute Erfahrungen gerade auch mit Hauptschülern gemacht.

Welche Vorteile sehen Sie bei einer Ganztagsschule?

Der Vorteil der Ganztagsschule ist sicherlich der, dass man gerade im Nachmittagsunterricht die Möglichkeit hat, in Bereichen zu fördern, wo man schwach ist, oder wo man stark ist zu fordern. Man kann vielleicht, wenn es um Hausaufgaben geht, Defizite schneller aufarbeiten mit geschultem Personal, als wenn man das zu Hause alleine am Schreibtisch machen muss.

Was glauben Sie, welche Entwicklung die Hauptschule nehmen wird, speziell unsere?

Ich glaube, dass es so ist, - das zeichnet sich auf Landesebene ab, Schulentscheidungen sind ja Ländersache -, dass es neben dem gymnasialen Zweig einen zweiten Stamm geben wird für die Sekundarstufe 1, und ob die Hauptschule dann mittelfristig überleben wird, zeigt sich wahrscheinlich in den nächsten Jahren. Und um die Hauptschule In der Schlee mache ich mir eigentlich keine Sorgen, denn wir haben uns ja einen Schuleentwicklungsplan erstellt für unser Stadtgebiet in Abstimmung mit dem des Kreises. Aber dennoch haben wir festgestellt, dass die Anmeldezahlen in den letzten Jahren rückläufig geworden sind. Und deswegen haben wir uns gedacht, dass wir in Zukunft nicht mehr zwei Hauptschulen bedienen können. Deswegen werden wir die Schule in Ratheim ja jetzt in eine Gesamtschule umwandeln. Unabhängig davon glaube ich, dass unsere, also eure Hauptschule In der Schlee doch Bestand haben wird.

Was wünschen Sie sich von unserer Hauptschule?

Das ist eigentlich das, was ich eingangs gesagt habe. Als ich Bürgermeister vor sechs Jahren geworden bin, bin ich im ersten Jahr an die zehnten Klassen rangegangen und habe denen mal gesagt, dass es mich erstaunt hat, dass für die vielen Ausbildungsberufe, auch für die bei uns von der Stadt ausgeschriebenen, sich nur wenige von der Hauptschule gemeldet haben. Ich habe in den zehnten Klassen meine Erfahrung als Unternehmer mitgeteilt und ihnen gesagt, was wir als vielleicht zukünftige Arbeitgeber erwarten. Da sind ja die Schulnoten, aber die sind nach meiner Erfahrung sekundär, da sind Dinge, die die Kopfnoten aussagen, nämlich Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß, solche Dinge, die spielen in der heutigen Gesellschaft eine viel, viel größere Rolle. Gerade jetzt bei der demographischen Veränderung, wo immer weniger Kinder da sind, werden wir merken, dass es Facharbeitermangel gibt. Viele Eltern glauben, dass die Kinder studieren müssen und einen Beruf mit Krawatte haben müssen. Ich glaube, dass wir in den nächsten 10 Jahren Probleme haben werden, Facharbeiter zu finden. Ich würde mir wünschen, dass unsere Hauptschule gerade da ran muss, dass man eine bessere Vernetzung bekommt zwischen Schule, Elternhaus und Arbeitgebern, dass man frühzeitig an den Beruf herangeführt wird, frühzeitig Praktika angeboten werden, ruhig schon in Klasse 7, dass es Einblicke ins Berufsleben geben wird. Damit wird die Hauptschule wieder mehr Profil bekommen.

Ganz etwas anderes: Wir haben im November am bundesweiten Vorlesetag teilgenommen. Wir wollen das nächstes Jahr wieder machen. Hätten Sie Lust, als Vorleser daran bei uns teilzunehmen?

Also Lust habe ich, aber ich muss ehrlich sagen, ich habe in der Vergangenheit ähnliche Anfragen von anderen Schulen abgelehnt, weil ich irgendwann mal meinen Terminkalender nicht mehr zubekomme. Ich könnte natürlich auch als Bürgermeister Trauungen vornehmen und ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass mein Terminkalender total voll ist, und dann hätte ich ein Problem, wenn ich zu euch komme und zu den anderen Schulen nicht, und da bitte ich um Verständnis. Aber ich unterstütze euch da gerne.

Wie finden Sie unsere Homepage www.wir-in-der-schlee.de ?

Ich war noch mal drauf, nachdem ihr mir geschrieben habt, und sie ist klasse, sehr modern gestaltet und in der linken Rubrik sehr übersichtlich und man findet sich gut zurecht. Und die Startseite ist sehr einladend und gut aufgebaut. Sehr informativ und interessant, auch die neuen Bilder von der Erweiterung. (Gekürzt)

 

Was halten Sie von Schülern mit Migrationshintergrund?

Ich denke, dass wir uns in Zukunft davon verabschieden müssen, dass es verschiedene Nationalitäten gibt, Engländer, Franzosen, Türken, sondern wir sind alle europäische Bürger. Gerade wir in Hückelhoven haben ja sehr viele Mitbürger mit Migrationshintergrund. Gerade von den Kindern können wir viel voneinander lernen, wie problemlos der Umgang untereinander ist, obwohl ja auch viele Vorurteile in den Köpfen Älterer sind. Was wichtig dabei ist, dass wir in Deutschland sind, und die Sprache muss Deutsch sein, denn Sprache ist der Schlüssel. Probleme entstehen oft durch Sprache. Deshalb machen wir ja auch die U3-Betreuung in Kindergärten. Wir machen auch Projekte, in denen wir versuchen, die Eltern auch in der Sprache Deutsch zu fördern, damit keine Verständigungsprobleme entstehen. In 50 Jahren werden die Grenzen vermischt sein, ihr werdet das bestimmt noch erleben.

Herr Bürgermeister Jansen, wir danken Ihnen für das Interview.

 

Das Interview führten Ursula, Steven und Bachtior

Foto: Giesen

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